| 02.11.2005

Warum nicht glücklich sein?
Über die Möglichkeiten der Positiven Psychologie.
Ort: Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und
Kulturgeschichte, Domplatz 10, 48143 Münster
Eintritt frei
Wir wollen in unserem Leben glücklich sein. Daran besteht für die meisten kein Zweifel. Alle Bemühungen, etwas aus unserem Leben zu machen, indem wir die richtigen Ziele verfolgen, ebenso wie alle Diskussionen um das moralisch und politisch Richtige und Gute, sind stets auf das gleiche übergeordnete Ziel gerichtet: Unser individuelles wie unser kollektives Glück.
Paradoxerweise sind wir über weite Strecken mit Tätigkeiten beschäftigt, die nicht zu unserem Glück beitragen bzw. die dieses sogar behindern. Obwohl die materiellen, sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen für das individuelle Glücksstreben noch nie so günstig wie heute waren, sind wir im Großen und Ganzen nicht besonders glücklich. Wir reißen uns bereitwillig ein Bein aus, wenn es darum geht, bestimmte Glücksversprechen (etwa ein Fest, eine Reise, ein Treffen mit Freunden) in die Tat umzusetzen. Doch tun wir dies auf eine Weise, die wenig zur psychologischen Realisierung des Glücksversprechens beiträgt. Wir erkennen dabei nicht, warum sich das versprochene Glück nicht einstellt bzw. was wir hätten anders machen sollen. Angesichts der Tatsache, dass viele Menschen heute unter Unzufriedenheit, Freudlosigkeit, Langeweile, Leere und Abstumpfung leiden, erscheint die alte Frage „Wie soll ich leben, um glücklich zu werden?“ von großer Aktualität.
An dieser Stelle kommt die psychologische Wissenschaft ins Spiel. Bisher lag einer ihrer wichtigsten Anwendungsbereiche im Bereich der klinischen Behandlung psychischer Krankheiten. Die Sparte der klinischen Psychologie hat sich dabei als sehr erfolgreich erwiesen. Wir sind heute Dank ihrer Erkenntnisse in der Lage, den psychologischen Mechanismus vieler psychischer Störungen zu verstehen und gezielt psychotherapeutisch Abhilfe zu schaffen. Nur endet bislang die Aufgabenstellung der Psychotherapie an dem Punkt, an dem die Beschwerden der Patienten weitgehend verschwunden sind. Dies ist jedoch, wie sich immer deutlicher zeigt, nicht genug: Keine depressiven Symptome mehr zu haben etwa, heißt noch nicht, dass man sein Leben in der Folge auf eine glücksdienliche und darum anti-depressive Weise lebt. Während die Bedingungen, die zur Depression geführt haben, wohlmöglich fortbestehen, entwickelt der Betroffene nicht automatisch die Fähigkeit, sein Leben positiv zu gestalten. Fehlende positive Gefühle machen deshalb angesichts der unvermeidbaren negativen Gefühle, die das tägliche Leben mit sich bringt, eine erneute depressive Phase wahrscheinlich.
Dabei ist heute entschieden mehr möglich: Wir wissen nicht nur, wie sich psychische Störungen entwickeln können; wir wissen ebenso gut, was für das Entstehen positiver Gefühle und was für ein nachhaltiges Wohlbefinden erforderlich ist. Die Bedingungen des Glücklichseins zu erforschen, die gewonnenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und gegebenenfalls Interessierte entsprechend zu trainieren, das ist Aufgabe der Positiven Psychologie. Diese hat in den letzten Jahren international großen Aufschwung genommen und hat immer eindeutigere und darum hilfreichere Erkenntnisse zu bieten.
In dem öffentlichen Abendvortrag soll in die Erkenntnisse und Möglichkeiten der Positiven Psychologie eingeführt werden. Dabei werden die Irrwege unserer materialistischen, am Ideal möglichst großen Konsums ausgerichteten Zivilisation ebenso zur Sprache kommen wie die biologischen, psychologischen und kulturellen Bedingungen eines möglichst glücklichen, anhaltendes Wohlbefinden, psychische Stärke und die Entfaltung der persönlichen Talente gewährleistenden Lebens. Was hieraus für die richtige, weil glücksfördernde Lebensführung folgt, soll zusammenfassend dargestellt werden.

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