Chronische Depressionen

Für manche Personen gehört eine depressive Stimmung seit Jahren zu ihrer Lebensrealität. Bei einer chronischen Depression verläuft die Erkrankung nicht in einmaligen oder sich wiederholenden Phasen, den so genannten depressiven Episoden. Stattdessen bestimmen depressive Symptome – z.B. Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen – dauerhaft den Alltag dieser Personen. Neben dem Verlust an Lebensqualität sind Einbußen in Beruf und Familienleben die Regel.
Während noch vor einigen Jahren der chronifizierte Verlauf einer Depression häufig als nicht zu therapieren galt, gibt es mittlerweile spezifische, erfolgreiche Therapiemethoden. Insbesondere der Therapieansatz CBASP (Cognitiv-Behavioral Analysis System of Psychotherapy, deutsch: kognitiv-verhaltensorientiertes Analysesystem der Psychotherapie) des Amerikaners James McCoullough hat in vergleichenden Therapiestudien gut abgeschnitten. In der EOS-Klinik werden chronische Depressionen nach diesem CBASP-Ansatz behandelt.
Chronische Depressionen haben Ihren Ursprung häufig in der Kindheit oder Jugend der Patienten. Überdurchschnittlich häufig lässt sich bei ihnen eine frühe Verlusterfahrung, eine emotionale Vernachlässigung oder eine Missbrauchserfahrung feststellen. Aus diesen Belastungen entstehen schlechtere Lernbedingungen für ein Kind oder einen Jugendlichen und einige Entwicklungsprozesse kommen zum Stillstand. Tritt eine Depression ein, werden die Lern- und Entwicklungsbedingungen noch schlechter. Personen mit chronischer Depression zeichnen sich durch Probleme bei der Selbstwahrnehmung und Verarbeitung ihrer zwischenmenschlichen Erfahrungen aus. Als eine Kompensation dieser Defizite haben sie sich oft einen „Verhaltensstil" im zwischenmenschlichen Umgang angeeignet, der neue Probleme mit sich bringt. Typisch ist weiterhin ein großes Maß an Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit gegenüber den eigenen Problemen und eine geringe Selbstachtung.
Der CBASP-Ansatz geht folgendermaßen auf die spezifischen Probleme chronisch depressiver Personen ein:
1. Die wichtigen lebensgeschichtlichen Themen werden bei den Patienten mithilfe einer spezifischen Technik (Geschichte signifikanter Anderer) zusammengestellt und ihre aktuelle Bedeutung (Übertragungshypothese) wird herausgearbeitet.
2. Durch Situationsanalysen wird die Fähigkeit, Probleme in sozialen Beziehungen auf formal operatorische Weise (im Sinne von Jean Piaget) zu lösen, gefördert.
3. Durch die so genannte Interpersonelle Diskriminationsübung werden rigide, verfestigte Verhaltensmuster, die weder durch positive noch durch negative Ereignisse beeinflussbar zu sein scheinen, modifiziert.
4. Die Patienten werden angeleitet, ihre Wirkung auf die Umwelt systematisch wahrzunehmen.
5. Therapeuten lassen sich kontrolliert und persönlich auf die Patienten ein.
In der EOS-Klinik wird Psychotherapie nach dem CBASP-Ansatz von geschulten Therapeuten durchgeführt. Neben der täglichen Einzeltherapie bieten wir mehrere Gruppen-Therapien an, in denen an den typischen Problemen von chronisch Depressiven gearbeitet wird (z.B. Situationsanalysegruppe, Mentalisierungsgruppe, Achtsamkeitsgruppe, Gruppe zum persönlichen Interaktionsstil). Weil in der EOS-Klinik Therapie nach einem Intensivkonzept stattfindet, sind die Möglichkeiten, Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozesse anzuregen besonders günstig. 
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