| Essstörungen

Unsere auf der einen Seite durch ein Überangebot an Nahrungsmitteln, auf der anderen Seite durch ein übertriebenes, von Vorbildern aus der Mode- und Medienwelt verbreitetes Schlankheitsideal geprägte Kultur birgt Diskrepanzen in sich, die für viele junge Menschen zu einem Risiko werden. Wer diesen Idealen nacheifert und beginnt, das Essverhalten zu kontrollieren und Nahrungsmittel in Menge und Auswahl einzuschränken, trägt ein hohes Risiko, eine Essstörung zu entwickeln. In Deutschland weist bereits jede 3. Schülerin Störungen des Essverhaltens oder Frühformen von Essstörungen auf.
Zur Kategorie der Essstörungen gehören die Magersucht (Anorexia nervosa), die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa), die Essanfallsstörung (Binge Eating Störung) und im weitesten Sinne auch starkes Übergewicht oder Fettsucht (Adipositas). Die Magersucht ist durch starkes bis zum Teil lebensbedrohliches Untergewicht sowie ein intensives Streben, das Gewicht weiter zu reduzieren oder das Untergewicht zu halten gekennzeichnet. Dazu werden Maßnahmen wie Einsparen an Nahrung, übertriebene körperliche Aktivität, Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln, Appetitzüglern bzw. Diuretika eingesetzt. Die Nahrungsaufnahme wird nicht durch Hunger und Sättigung reguliert, sondern gedanklich kontrolliert, indem Kalorien gezählt und Regeln zur Nahrungsaufnahme aufgestellt werden. Das Brechen der Regeln löst zumeist heftige Angst aus. Auch bei der Magersucht kann es zu einem Zusammenbruch der gedanklichen Kontrolle kommen, und es können dann Essanfälle auftreten. Die Bulimie äußert sich ganz ähnlich; es liegt jedoch kein Untergewicht vor. Im Vordergrund stehen hier die wiederholt auftretenden Heißhungerattacken, die mit Essanfällen und dem Gefühl des Kontrollverlustes einhergehen. Den Essanfällen folgt eine panische Angst vor einer Gewichtszunahme, weswegen die meisten bulimischen Patientinnen unmittelbar nach einem Essanfall erbrechen. Bei der Essanfallsstörung stehen ebenfalls Essanfälle im Mittelpunkt. Es treten jedoch keine einer Gewichtszunahme gegensteuernde Maßnahmen wie Erbrechen, Fasten oder ähnliches auf. Nicht selten kommt es bei der Essanfallsstörung zu Übergewicht. Bei der Adipositas, die streng genommen keine psychische, sondern eine körperliche Störung darstellt, können neben biologischen Faktoren unterschiedliche Formen von gestörtem Essverhalten vorliegen, die zu Übergewicht führen, sei es, dass wiederholte Essanfälle auftreten – dann handelt es sich gleichzeitig um eine Essanfallsstörung –, sei es, dass eine einseitige Nahrungszusammensetzung besteht oder über den Tag verteilt eine übermäßige Nahrungsaufnahme erfolgt. Dabei übernimmt das Essen, das für uns Menschen einen enormen Belohnungscharakter aufweist, häufig eine bestimmte Funktion: es hilft gegen Einsamkeit und Langeweile, es verschafft Entspannung oder reguliert unangenehme Gefühle.
Essstörungen ziehen erhebliche Konsequenzen nach sich. Sie beeinflussen das gesamte Erleben und Verhalten der Betroffenen, indem das Denken unwillkürlich um die Themen Essen, Figur und Gewicht kreist und das emotionale Erleben durch Ängste, abnehmende Belastbarkeit und Dünnhäutigkeit beeinträchtigt ist. Es kommt aber auch zu körperlichen Veränderungen: viele Regelkreisläufe, die durch Hormone und andere Botenstoffe reguliert werden, sind in ihrer Funktion gestört, was zu Veränderungen im Stoffwechsel und in den Organfunktionen führt. Nicht selten treten körperliche Erkrankungen infolge einer Essstörung auf.
Heutzutage können auch schwere Essstörungen mit gutem Erfolg behandelt werden. Dazu ist es wichtig, Therapieangebote durchzuführen, die speziell auf die jeweilige Essstörung ausgerichtet sind und auf die individuellen Besonderheiten und Hintergründe angepasst werden. Die Therapie von Essstörungen bildet einen Behandlungsschwerpunkt der EOS-Klinik. Um eine optimale Durchführung zu gewährleisten, sind die Rahmenbedingungen entsprechend zugeschnitten. Dazu gehören eine intensive Betreuung mit individueller Ausrichtung des Problemfokus und der täglichen Behandlungszeiten, hohe Alltagsnähe, flexible Rahmenbedingungen, die therapiegeleitete Bewältigungserfahrungen erlauben sowie ein enges Coaching der Betreffenden mit dem Ziel, Expertin für die Störung und vor allem für die Problembewältigung zu werden. 
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