| Unser Behandlungsansatz

Die EOS-Klinik für Psychotherapie ist der modernen evidenzbasierten Psychotherapie verpflichtet. Dies bedeutet, wie Sie dem Abschnitt „Unsere Philosophie“ entnehmen konnten, dass Wissenschaftlichkeit, pragmatisches Problemlösen, Patientenautonomie und Hilfe zur Selbsthilfe für uns selbstverständliche Maximen unserer Arbeit sind. Wie wir diese Vorgaben in der praktischen Arbeit umzusetzen versuchen, wird Gegenstand dieses Abschnitts sein. Er soll Sie darüber in Kenntnis setzen, wie die psychotherapeutische Arbeit in der EOS-Klinik grundsätzlich vonstatten geht.
 Problem- und Patientenorientierung

Die Behandlung sollte sich stets an den konkreten Anliegen und Problemen des Patienten orientieren. Je präziser die Therapie auf die Lösung der individuellen Probleme und Störungsbedingungen zugeschnitten ist, desto erfolgreicher kann sie sein. Ein Gleiches gilt für die Umsetzung der Lösungsstrategien: diese sollten den Patienten genau dort abholen, wo er z.Z. steht, und ihm unter seinen alltäglichen Lebensbedingungen weiter helfen.
Dies bedeutet z.B., dass unverständliche und unübersichtliche Problemlagen sehr viel Klärungsarbeit erfordern können, die in Einzelgesprächen in der Klinik geleistet wird. Andere, stärker mit Handlungsschwierigkeiten und Vermeidung einher gehende Probleme erfordern sehr viel aktives Problembewältigen und Üben, was natürlich unter den Bedingungen, unter denen die Probleme auftreten, erfolgen muss, um nachhaltig wirksam zu sein. Da die meisten Handlungshemmnisse nicht in der beschützenden Umgebung der Klinik auftreten, bedeutet dies, dass wir mit dem Patienten an den unterschiedlichsten Orten – z.B. im Flugzeug, auf Versammlungen, an fernen Orten oder in der eigenen Wohnung – mit ihm üben.
Ganz gleich wie sich das Problem im Einzelnen darstellt, wir bemühen uns gemeinsam mit unserem Patienten, eine alltagstaugliche, nachhaltig erfolgreiche Lösung für ihn zu finden und diese optimal umzusetzen. Der Ablauf der Therapie lässt sich in drei wesentliche Phasen einteilen – „Diagnostik und Therapieplanung“, „Intensivtherapie“ und „Transferphase und Rückfallprophylaxe –, die im Folgenden kurz dargestellt werden sollen.
 Diagnostik und Therapieplanung

Eine genaue verhaltensanalytische und psychiatrische Diagnostik ist unverzichtbare Voraussetzung der Behandlung. Ihr Ziel ist es, die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen des Problems sowie die das Problemverhalten steuernden Problemmuster genau kennen zu lernen. Dabei kommen neben ausführlichen Interviews, der Erhebung der Lebensgeschichte und einer neuro-psychiatrischen Untersuchung verschiedene Fragebögen zum Einsatz.
Die Therapieplanung beginnt mit dem Zusammentragen und Erläutern der Untersuchungsergebnisse. Dabei setzen Therapeut und Patient gemeinsam die ‚Puzzlestücke’ zu einem Bild vom Störungsgeschehen zusammen und untersuchen, wie die Störung zustande gekommen ist bzw. wie sie bis heute funktioniert. Das daraus resultierende Störungsmodell bildet die Grundlage für das Verständnis der Veränderungsstrategien bzw. die durchzuführenden therapeutischen Maßnahmen.
Die Therapieplanung endet damit, dass sich der Patient noch einmal in aller Ruhe überlegt, ob er dem erarbeiteten Fahrplan zu folgen bereit ist. Es ist von großer Wichtigkeit, dass der Patient von den erarbeiteten Modellen, Strategien und Übungen hinreichend überzeugt ist, ehe er sich endgültig für den Eintritt in die Intensivphase der Therapie entscheidet.
 Intensivtherapie

In der Intensivphase werden die geplanten Maßnahmen Schritt für Schritt umgesetzt. Dabei geht es wesentlich darum, die eingespielten Störungsmuster nach Möglichkeit außer Kraft zu setzen. Erst wenn die ersten Erfolge eintreten und die Symptome nachlassen, kann sich der Patient ‚wirklich’ von der Richtigkeit des eingeschlagenen Weges überzeugen. Da es u.U. sehr schwer ist, chronische, seit vielen Jahren bestehende Problemmuster außer Kraft zu setzen, bedarf es auf Patientenseite Mut, Entschlossenheit und Motivation. Erste Erfolge können sehr hilfreich sein, diesen Anforderungen während einer anstrengenden stationären Behandlung zu genügen.
Wie wichtig die intensivtherapeutische, die Symptome aktivierende und sodann bewältigende Therapiephase ist, lehrt uns die moderne Gehirnforschung: Unser Verhalten wird zum größten Teil durch gut gebahnte, hochgradig automatisierte Verhaltensmuster bestimmt. Diese als problematisch zu erkennen und in ihren Funktionsweisen zu verstehen ist wichtig und richtig; es reicht jedoch für sich genommen meist nicht aus, um die Problemmuster zu verändern. Im Gegensatz zu dem, was unsere am Ideal der Vernunft orientierte Kultur vermittelt, ist der „Verstand“ nicht der Herr im eigenen (Seelen-)Haus. Körperliche, vom vegetativen Nervensystem gesteuerte Prozesse und insbesondere die Emotionen sind über weite Strecken viel wirkungsmächtiger als der Verstand. Hinzu kommt, dass die bewussten kognitiven Prozesse des Verstandes und die unbewussten kognitiven, die emotionalen und die vegetativen Prozesse in unterschiedlichen, u.U. schlecht miteinander kommunizierenden Systemen realisiert sind. Dies erklärt, warum die bloße Einsicht in die Problem- bzw. Störungszusammenhänge nahezu regelhaft zwar zu den richtigen Vorsätzen und Absichten, nicht aber zu effektiven Verhaltensänderungen führt. Was ist die Alternative? Die Alternative besteht darin, die eigenständigen vegetativen und emotionalen Prozess direkt (am Verstand vorbei) anzusprechen, indem man sie therapeutisch aktiviert. Im aktivierten Zustand sind diese Prozesse bearbeitbar: korrigierende, oft vollkommen neue und sehr eindrucksvolle Erfahrungen werden möglich, und es lassen sich Verbindungen zu bewussten kognitiven Prozessen herstellen. Um das Prinzip der Intensivtherapie mit einem Bild zu beschreiben, könnte man sagen: Schwierige Eisen („emotionale Probleme“) lassen sich nicht im kalten („inaktivierten“) Zustand schmieden. Sie müssen zum Glühen gebracht („aktiviert“) werden, um geschmiedet („therapeutisch verändert“) werden zu können.
 Transfer und Rückfallprophylaxe

Während der Intensivtherapie werden die Übungen in therapeutischer Begleitung durchgeführt. Dies kann zu dem Schluss Anlass geben, dass „ich“ es zumindest mit Hilfe meiner Therapeutin schaffe. Wichtig ist jedoch, dass ich es auch allein schaffe bzw. dass ich lerne, auf meine Fähigkeit, es zu schaffen zu vertrauen. Zu diesem Zweck werden die erfolgeichen Übungen in der Transferphase mehr und mehr vom Patienten alleine durchgeführt. Dass er sich in seinem Alltag in kritischen Situationen zu helfen weiß und sich erfolgreich behauptet, ist entscheidend für einen nachhaltigen Behandlungserfolg.
Trotz oft guter Besserung und eines erfolgreichen Transfers in die Eigenregie des Patienten ist das Rückfallrisiko bei vielen psychischen Störungen nicht zu unterschätzen. Insofern diese Rückfälle durch kritische Situationen zustande kommen, ist es möglich, diese in der Therapie vorwegzunehmen, um den Patienten so auf kritische Situationen vorzubereiten. Dies geschieht im Rahmen der Rückfallprophylaxe gegen Ende der stationären Therapie. Dazu gehören neben einem gut bestückten „Notfallkoffer“ für kritische Situationen auch Anregungen für eine rückfallverhütende Lebensführung. Zu dieser gehören insbesondere Maßnahmen der Psychohygiene, die Lebenssinn, Stabilität, Wohlbefinden und Ausgleich bei Belastungen jedweder Art zum Inhalt haben.
 Experte für die eigene Störung werden

Das transparente, dem Patienten alle wichtigen Befunde und Zusammenhänge offen legende Vorgehen ist unerlässlich, wenn Psychotherapie Hilfe zur Selbsthilfe sein soll. Unsere Patienten lernen im Laufe der beschriebenen Therapieabschnitte, wie ihre Störung funktioniert und welche Strategien und Vorgehensweisen ihre Situation verbessern. Sie kennen die aufrechterhaltenden inneren und äußeren Bedingungen der Problematik, wissen, wie diese in einschlägigen Teufelskreisen zusammenwirken und warum die bisherigen Selbsthilfeversuche nicht erfolgreich gewesen sind; und sie wissen, was sie zukünftig anders machen müssen, um die Problematik unter Kontrolle zu bekommen. Kurz: Unsere Patienten werden zu Experten für ihre eigene Störung ausgebildet. Das Wissen, das sie in der Therapie erwerben, ist eine unerlässliche Vorraussetzung für ihre Macht, sich selbst zu helfen, die am Ende einer erfolgreichen Behandlung erlangt sein sollte.
 Selbstwirksamkeit

Was macht letztendlich den Erfolg einer psychotherapeutischen Behandlung aus? Es ist sicher nicht zu verachten, wenn es einem in der Klinik wieder besser geht und man entlassen werden kann. Wichtiger und maßgeblicher ist jedoch, wie man auf Belastungen und kritische Situationen zu Hause reagieren wird. Dass ich dies antizipierend in der Therapie gelernt und geübt habe, wie ich mich in kritischen Situationen verhalten sollte, ist heute selbstverständlich; aber auch der wichtige Schritt von der Einsicht zur aktiven Bewältigungserfahrung garantiert in keiner Weise, dass ich zu Hause unter Belastung stabil bleibe. Der wichtigste Garant für den Erfolg, dies zeigen viele empirische Untersuchungen, ist der Schritt von den Bewältigungserfahrungen zur festen Überzeugung, kritische Situationen zukünftig bewältigen zu können. Es ist dieser Glaube in die eigenen Fähigkeiten, die man Selbstwirksamkeit nennt, der es einem ermöglicht, auch dann Kurs zu halten, wenn es sehr schwierig, ja überwältigend schwierig, zu werden scheint. Menschen mit sehr starken Selbstwirksamkeitsüberzeugungen sind praktisch nicht unterzukriegen. Ihr unerschütterlicher Glaube kann Berge versetzen. Warum dies so ist, wird deutlich, wenn wir uns die gegenteilige Situation schwacher bzw. ungefestigter Selbstwirksamkeit vor Augen führen: auch wenn ich schwierige Aufgaben wieder erfolgreich bewältigt habe, dennoch aber Zweifel an meiner Fähigkeit, genau diese Situationen auch in Zukunft bewältigen zu können, hege, dann habe ich in wirklich kritischen Situationen nichts mehr, was ich der einsetzenden Hoffnungslosigkeit und Demoralisierung entgegen setzen könnte; ich verliere meine Moral, gebe auf und falle in das alte Problemverhalten zurück. Um dies zu verhindern, ist es von großer Wichtigkeit, auch den letzten Schritt von den Bewältigungserfahrungen zur Selbstwirksamkeit zu vollziehen.
 Persönliche Betreuung

Es ist nicht immer leicht, sich zu öffnen und von den heikelsten Problemen und Gefühlen zu berichten. Vertrauen in eine freundliche, wohlwollende und kompetente Therapeutin kann diesen, für die Lösung ernster Probleme unausweichlichen Schritt sehr erleichtern. Aus diesem Grund ist eine persönliche Betreuung durch eine eigene Therapeutin aus unserer Sicht unerlässlich. Der größte Teil der Behandlung in der EOS-Klinik findet in der Form einer solchen Einzeltherapie statt. Gruppentherapeutische Angebote beschränken sich auf problemübergreifende Aufgaben, die in der Gruppe oft besser bearbeitet werden können. Als typisches Beispiel ist das Soziale Kompetenztraining zu nennen.
 Gruppenangebote

In der EOS-Klinik werden verschiedene Gruppenprogramme angeboten. Zu diesen zählen z.B. das Soziale Kompetenztraining, Sporttherapie, Psychoedukative Depressionsgruppe, Körpertherapie und Problemlösegruppe für Essgestörte.
 Flexibilität und Alltagsnähe

Individuelle Lösungen für sehr persönliche Probleme erfordern in der Psychotherapie ein hohes Maß an Kreativität und Flexibilität. Es müssen Umstände hergestellt bzw. aufgesucht werden, in denen ein u.U. sehr spezifischer Problemprozess aktivierbar und damit bearbeitbar und veränderbar wird. Obwohl wir über viel Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen, müssen immer wieder völlig neuartige, bislang nie genutzte Wege in der Therapie gesucht werden. Da die Alltagsnähe der therapeutischen Problemaktualisierungen entscheidend für deren Effektivität ist, stellt die Umsetzung im Einzelfall hohe Anforderungen an die Flexibilität der Beteiligten. Auf jeden Fall sollte immer versucht werden, ein Optimum im Dienste des erreichbaren Therapieergebnisses zu erzielen.
 Qualitätssicherung

Die Behandlung in der EOS-Klinik für Psychotherapie erfolgt grundsätzlich in qualitätsgesicherter Form. Dabei finden Strukturqualität (das sind die baulichen, personellen und organisatorischen Voraussetzung der Behandlung), die Prozessqualität (damit ist die Sicherung der Bedingungen eines günstigen Behandlungsprozesses gemeint) und die Ergebnisqualität (die Qualität des Behandlungsergebnisses hinsichtlich Patientenzufriedenheit, Besserung und Nachhaltigkeit der Besserung) gleichermaßen Berücksichtigung. 
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