| Unsere Philosophie

Unsere Philosophie ist einfach. Sie ergibt sich aus dem heilkundlichen Auftrag der psychotherapeutischen Profession:
Heilkunde – damit ist die klinische Medizin einschließlich der Psychotherapie gemeint - soll auf kundige Weise heilen. Das zu erreichende Heil – die Besserung der Beschwerden, die Überwindung psychischer Probleme bis zur Wiederherstellung der Gesundheit – wird durch die Ziele des Patienten definiert; denn nur der Patient weiß, wie er sich fühlt, was ihm fehlt und wie er leben möchte. Auch wenn der Patient sich krankheitsbedingt zeitweilig darüber täuschen mag, was tatsächlich gut für ihn ist: am Ende aller Diskussionen ist es immer wieder der Patient, der selbst entscheidet und der sich seine eigenen Maßstäbe setzt. Psychotherapie an den Zielen des Patienten vorbei kann u.E. nicht gelingen.
Der Weg zum Heil sollte ein möglichst kundiger, durch die besten verfügbaren Informationen bestimmter sein. Auch wenn es mehrere, meist ähnliche zielführende Wege geben mag: welche Wege tatsächlich zum Ziel führen, lässt sich nur anhand von Erfahrungen, d.h. anhand der Untersuchung der Behandlungsergebnisse, entscheiden. Wir verfügen dank der empirischen Psychotherapieforschung über ein breites, in vielen Untersuchungen gesichertes Erfahrungswissen, das uns lehrt, wie man die verschiedenen Arten psychischer Störungen möglichst wirksam und nachhaltig behandelt. Dieses Wissen umfasst Erkenntnisse über die Entstehung und Aufrechterhaltung der Störungen ebenso wie über wirksame störungsspezifische Behandlungsverfahren, die geeignet sind, die aufrechterhaltenden Bedingungen der jeweiligen Störung außer Kraft zu setzen. Weiterhin belegt dieses Wissen die große Bedeutung einer guten therapeutischen Beziehung, die Bedeutung von Orientierung, Klärung und Motivation auf Seiten des Patienten und die Bedeutung der optimalen Umsetzung der wirksamen Behandlungsverfahren was Intensität, Alltagsnähe und erfolgreiche Bewältigungserfahrungen betrifft. Es liegt auf der Hand, dass es zu den Aufgaben der Therapeutin gehört, für die Kundigkeit der Behandlung Sorge zu tragen.
Fasst man die beiden Forderungen des heilkundlichen Auftrags zusammen – das Verfolgen der Ziele des Patienten und die Nutzung der wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse bezüglich des besten Wegs zum Erreichen dieser Ziele -, so ergibt sich ein partnerschaftliches Modell der psychotherapeutischen Zusammenarbeit: der Patient steuert die Ziele seines ganz persönlichen Heils, die Therapeutin ein solides Wissen über den Weg, wie diese Ziele am besten zu erreichen sind, bei. Beide gehen den vereinbarten Weg zunächst gemeinsam, um die schwierigsten Hindernisse zu überwinden. Je besser der Patient dabei zurecht kommt und je mehr Bewältigungserfahrungen er dabei macht, desto stärker ist er gehalten, den Weg mit immer weniger Unterstützung allein fortzusetzen.
Betrachten wir nun einige wichtige Grundsätze unserer Philosophie noch etwas detaillierter:
 Dienstleistungshaltung

Psychotherapeuten sind Dienstleister. Sie haben die Aufgabe, Patienten, die dies wünschen, gemäß professioneller Standards zu behandeln. Zu den wichtigsten dieser Standards gehören Wissen, Kompetenz, Sorgfalt, Engagement und die Verpflichtung auf das Wohl des Patienten. Somit erscheint jede Art therapeutischer Selbstherrlichkeit ebenso bedenklich wie Vorgehensweisen, die nicht dem Stand des Wissens entsprechen, (selbst wenn der Patient dies wünschen sollte). Professionelle Psychotherapeuten sind auf den Stand ihrer Wissenschaft verpflichtet. Dies soll gewährleisten, dass ihre Kundigkeit dem Heil des Patienten möglichst effektiv dient.
 Störungsspezifisches Vorgehen

Die moderne, evidenzbasierte Psychotherapie verfährt störungsspezifisch. Damit ist gemeint, dass verschiedene Arten von Störungen gemäß ihrer unterschiedlichen Störungsmechanismen auch unterschiedlich behandelt werden. Die effektivste und nachhaltigste Behandlung ist stets eine, die die Ursachen (aufrechterhaltenden Bedingungen) des Störungsverhaltens möglichst dauerhaft außer Kraft setzt. Auch wenn sich manche Verhaltenstendenzen nur sehr schwer oder gar nicht ändern lassen; man kann kurzfristig lernen, wie man diese Tendenzen nicht zum Zuge kommen lässt. Gelingt dies, so führen fortgesetzte Bewältigungserfahrungen sowie die gezielte Bearbeitung des Problems mit der Zeit dazu, dass sich die problematischen Verhaltenstendenzen abschwächen. Neben den störungsspezifischen Interventionen kommen in der evidenzbasierten Psychotherapie selbstverständlich auch störungsunspezifische, allgemeine und u.U. allen Formen der Psychotherapie gemeinsame ‚Verfahren’ zum Einsatz. Zu diesen zählen eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung, Verständigung, Verstehen und Klärung sowie die Nutzung der Stärken und Fähigkeiten (Ressourcen) des Patienten.
 Individualisiertes Vorgehen

Die Erkenntnisse der Psychotherapieforschung sind allgemeiner, von den individuellen Gegebenheiten des einzelnen Patienten abstrahierender Art. Sie müssen deshalb im Dienste einer möglichst effektiven Behandlung an die gegebene individuelle Situation angepasst werden. Dies geschieht mit Hilfe eines maßgeschneiderten, gemeinsam mit dem Patienten erarbeiteten Behandlungsplans, der die allgemeinen Erkenntnisse an die individuellen Gegebenheiten anpasst. Ziel ist es, eine auf die Bedürfnisse und Erfordernisse des einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie durchzuführen.
 Informierte Zustimmung

Jede reguläre heilkundliche Behandlung basiert auf einer Vereinbarung zwischen Arzt/Psychotherapeut und Patient. Der Patient sucht um eine Behandlung nach; er wird untersucht und danach über die Einschätzung des Problems bzw. die vorgeschlagene Lösung genau informiert. Sodann entscheidet der Patient auf der Grundlage ausreichender Informationen, ob er sich der vorgeschlagenen Behandlung unterziehen will. Ausnahmen von dieser Regel sind nur in akuten Krisensituationen gerechtfertigt, in denen der Patient aufgrund seiner Störung nicht in der Lage ist, seine Situation verantwortungsvoll einzuschätzen bzw. vernünftig zu entscheiden und deshalb ernsthaft Schaden zu nehmen droht.
Die Einholung der informierten Zustimmung ist für uns aus zwei Gründen unerlässlich:
- Eine Behandlung, die ohne informierte Zustimmung erfolgt, verletzt das Selbstbestimmungsrecht des erwachsenen Patienten. Dies ist sowohl aus ethischen als auch aus rechtlichen Gründen unzulässig. Erwähnenswert ist, dass die Gültigkeit einer informierten Zustimmung natürlich davon abhängt, dass der Patient wahrheitsgemäß informiert worden ist. Zustimmungen, die aufgrund falscher Informationen zustande kommen, sind in diesem Sinne ungültig.
- Erfolgreiche, d.h. nachhaltig verhaltensändernde Psychotherapie ist wesentlich von der Motivation des Patienten abhängig. Der Patient ist es nun mal, der in der Therapie Dinge tun soll, die ihm schwer fallen bzw. zeitweilig sehr belastend sein können. Ob er hierzu bereit ist, hängt davon ab, ob der Patient das vorgeschlagene Vorgehen als erfolgsversprechend, durchführbar und alles in allem lohnend ansieht. Ob diese Bedingungen wirksamer Motivation gegeben sind, hängt in hohem Maße von den Überzeugungen bzw. Informationen des Patienten ab. Es sind dieselben, die seiner informierten Zustimmung zugrunde liegen sollten.
Zu den wichtigsten Informationen für den Patienten gehören Antworten auf folgende Fragen:  | Was liegt meinem Problem zugrunde? An welcher Störung leide ich?
|  | Wie funktioniert meine Störung? Was sind ihre auslösenden, was ihre aufrecht erhaltenden Bedingungen?
|  | Wie kann man meine Störungsmuster durchbrechen? An welcher Stelle muss man ansetzen?
|  | Wie wird die Therapie aussehen? Welche Schritte wird sie beinhalten? Was muss ich tun?
|  | Wie lange wird die Behandlung dauern? Wie sehen die Erfolgschancen aus? Welche Behandlungsalternativen gibt es? |
 Hilfe zur Selbsthilfe

Das Ziel einer heilkundlichen Behandlung ist es, die behindernde, leidvolle Störung bzw. Problematik loszuwerden, um sein Leben nach eigenem Gutdünken fortzusetzen. Im Falle der Psychotherapie geschieht dies in enger Zusammenarbeit mit dem Betroffenen: Der Patient erkennt, was ihm fehlt bzw. was ihn belastet; er erfährt in der Therapie am eigenen Leibe, unter welchen veränderten Bedingungen es für ihn besser läuft bzw. es ihm besser geht; er geht schließlich dazu über, die als günstig erkannten und erprobten Bedingungen in seinem Alltag systematisch herzustellen. All dies widerfährt dem Patienten nicht passiv, sondern wird von ihm mit therapeutischer Hilfe aktiv herbeigeführt. Effektive Psychotherapie ist somit Hilfe zur Selbsthilfe: der Patient lernt, aus eigener Kraft besser zu leben. 
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